Das Atelier Unsichtbar liegt in Stuttgarts Innerem Nordbahnhof, genau an der Trennungslinie zwischen den beiden städteplanerischen Großprojekten Stuttgart 21 und Internationale Bauausstellung. Noch ist dem Industriegebiet nicht anzusehen, was hier in den nächsten Jahren entstehen könnte, noch ist nicht endgültig beschlossen was hier entstehen wird. An diesem Markstein zwischen Abbruch und Neubebauung, zwischen Schrottplatz und Betonwerk, inspirieren Vergängliches und Kommendes zur Schaffung neuer Kunst.

Im Stadtmagazin Prinz Stuttgart 3/2000 wird der Kunsthistoriker Prof. Beat Wyss zitiert mit: "Die Stadt braucht mehr Mut, urbane Brachländer zuzulassen, um jungen Künstlern Raum zu geben. Denn Kultur wird immer von Subkultur gespeist." Im Fall Innerer Nordbahnhof schufen sich die jungen Künstler, angezogen von der vorherrschenden städtebaulichen Situation, diesen Raum selbst. Neben dem Atelier Unsichtbar siedelten sich hier noch die Galerie EigenArt, die Studiogemeinschaft ideen.reich sowie der Zusammenschluß von Kunstakademiestudenten "Flüssigkeiten und Schwingungen" an.

Das Atelier Unsichtbar wurde im Mai 1998 von Michael Kaufmann eröffnet. Von Anfang an diente das Gebäude - ein ehemaliges Waagenhaus - dem Künstler nicht nur als Arbeitsstätte und Ausstellungsraum, sondern auch als Ort der kulturorientierten Begegnung und des Austausches.

Zusammen mit der Kunsthistorikerin Coco Hauschel, die seit August 1999 dem Atelier angehört, entstanden Idee und Konzeption einer Ausstellungsreihe, die anderen Stuttgarter Gegenwartskünstlern Gelegenheit zur Präsentation ihrer Arbeit gibt.

Seit Ende 1999 stellt das Atelier Unsichtbar daher in monatlichem Rhythmus Werke lokaler Künstler aus. Vertreter verschiedenster künstlerischer Disziplinen, wie Maler, Grafiker, Fotografen und Videokünstler präsentieren hier ihre Arbeiten.

Die räumliche Begrenztheit des Ateliers bewirkt ein intimes Ambiente und veranlaßt die Ausstellenden, eine sorgfältige Werkauswahl zu treffen. Viele der bisher präsentierten Künstler ließen sich durch die räumliche Überschaubarkeit anregen, eigens für die Ausstellung im Atelier Unsichtbar neue Werke zu schaffen.

Mittlerweile ist die Ausstellungsreihe zu einer festen Institution geworden. Die nächtlichen Feste zu Eröffnungen oder Ausstellungsenden werden häufig durch spezielle Performances begleitet. Im Unterschied zu konventionellen Galerie-Veranstaltungen gehen hier Subkultur und Kultur, Szene und Kunst eine gelungene Verbindung ein und strafen so alle die Lügen, die diesen Motor kultureller Fortschreitung in Stuttgart wieder und wieder totsagen.